FA 01 Valve World Expo 2014 vom 2. bis 4. Dezember in Düsseldorf

Fachkräfte dringend gesucht: Armaturenherstellern drohen auf Dauer hohe Verluste, weil immer mehr Ingenieursstellen unbesetzt bleiben. Mit klugen Strategien steuern die ersten Unternehmen dem Mangel entgegen.

„Fachkräfte dringend gesucht“ – ein Hilferuf geht um die Welt. Denn der Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern gefährdet die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. Innovationskraft könnte auf der Strecke bleiben. Am Ende leiden auch komplette Volkswirtschaften. Was ist zu tun?

Früher war nicht alles besser, aber dies schon: „Vor ein paar Jahren noch war es kein Problem, Stellen zu besetzen“, erinnert sich Petra Kappelhoff-Wöstmann, Geschäftsführerin der Axa Maschinen und Armaturen GmbH & Co. KG. Leider Vergangenheit – die Besetzung von Stellen werde „immer schwieriger und für ein Unternehmen, wie wir es sind, auch gefährlich, denn wir sind auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen.“ Aktuell habe man mehrere offene Stellen zu besetzen, betont die Geschäftsführerin des Unternehmens aus Schöppingen.

 

Heute schon erhebliche Engpässe
So wie Axa Maschinen und Armaturen ergeht es auch vielen anderen Armaturenherstellern. „Bereits heute kommt es zu erheblichen Engpässen“, warnt Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA). Ein Umstand, über den Verbände vieler Länder klagen. Allein im deutschen Maschinen- und Anlagenbau würden derzeit über 7.000 Ingenieure und hochqualifizierte Techniker gesucht.

Die Studie „Fachkräftemangel 2012“ des Personalberaters Manpower Group unterstreicht die verhängnisvolle Entwicklung. Danach haben aktuell 42 Prozent der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. Das sind acht Prozent mehr als im weltweiten Durchschnitt. Die größten Probleme bestünden für Unternehmen laut Studie bei der Suche nach Fachkräften aus dem handwerklichen Bereich sowie nach Ingenieuren.

Eine Erholung ist nach Einschätzung der Manpower Group nicht in Sicht: „Das Handwerk verzeichnet einen Mangel an Auszubildenden – und die Zahl der unbesetzten Ingenieursstellen hat sich von 2010 auf 2012 fast verdoppelt.“ Die meisten Fachkräfte fehlen im Maschinen- und Fahrzeugbau mit fast 37.000 Stellen.

Die beschwerliche Suche nach Fachkräften kommt Unternehmen teuer zu stehen. „Durchschnittliche Vakanz-Zeiten von 55 Tagen über alle Positionen hinweg und bis zu 90 Tagen bei technischen Berufen bedeuten jährlich Milliardenverluste für die deutsche Wirtschaft“, rechnet Vera Calasan, CEO der Man Power Group, vor.

 

Intelligentes Zuwanderungskonzept
Eine fatale Situation für den Auftritt auf dem weltweiten Markt, die eine große Kraftanstrengung erfordert. „Im internationalen Wettbewerb können wir dauerhaft nur mit den besten Köpfen bestehen. Allein an einer Stellschraube zu drehen, wird da nicht reichen“, betont VDMA-Hauptgeschäftsführer Hesse.

Was ist also zu tun? Teil der Strategie des VDMA sind ausländische Arbeitskräfte. „Sie können diesen Mangel zumindest lindern.“ Daher fordert der Verband die deutsche Bundesregierung auf, ein intelligentes Zuwanderungskonzept vorzulegen. Die Bundesagentur für Arbeit will bereits qualifizierte Kräfte in den Euro-Krisenländern anwerben – Tausende sind hier ohne Stelle.

Außerdem sei eine Bildungsoffensive erforderlich, „ein überfälliger Schritt“, so Hesse. So müssten Kinder und Jugendliche schon in Kindergarten und Schule gezielt an technische und naturwissenschaftliche Themenstellungen herangeführt werden. „Und wenn uns fast jeder zweite Studienanfänger bis zum Abschluss im Maschinenbaustudium verloren geht, dann ist das schlichtweg inakzeptabel.“

 

Mitarbeiter in Krisenzeiten wichtig
In Krisenzeiten – wie sie jetzt beim Euro erlebt werden – zeigt sich die Qualität der Mitarbeiter, die nun besonders wichtig ist. „Als Grundvoraussetzung für eine flexible Aufstellung von Unternehmen sehen wir eine solide Kapitaldecke sowie eine motivierte und im Sinne von Kommunikation und Eigenverantwortung hervorragend aufgestellte Belegschaft“, unterstreicht Dr. Jens Reppenhagen, Geschäftsführer der RS Roman Seliger Armaturenfabrik.

Von der Politik sei es wünschenswert, wenn sie es schaffe, Rahmenbedingungen und Unterstützung für wettbewerbsfähige Unternehmen zu setzen. Neben den Finanzen stünde hier in allererster Linie das Thema Bildung im Vordergrund. Reppenhagen: „Nur Wissen und Kreativität werden uns helfen, in der internationalen Wettbewerbsarena als eine Industrieregion, die auf hoher Wertschöpfung basiert, führend zu bleiben.“

Die Lösung der Probleme wird aber nicht allein den Regierungen überlassen. Verbände und Unternehmen gehen selbst in die Offensive. So nimmt beispielsweise der Förderkreis Strömungsmaschinen Kaiserslautern e.V. den Nachwuchs ins Visier. Der gemeinnützige Verein vermittelt Firmenbesuche, Vorträge und Exkursionen, dient also als Mittler zwischen Unternehmen und Studierenden. Dabei unterstützt der Förderkreis den Nachwuchs mit Geld- und Sachspenden – inklusive Stipendien und prämierten Abschluss- und Studienarbeiten.

 

Stipendien und Praktika
Apropos Stipendien: Auch die Armaturenkompetenz Ruhr hat es sich zur Aufgabe gemacht, qualifizierte und engagierte Studierende fachlich und finanziell zu fördern. Nach der Premiere vor zwei Jahren wurde auch für 2012 ein ingenieurwissenschaftliches Studienstipendium für zwei Semester an einer wissenschaftlichen Hochschule im Ruhrgebiet angeboten.

„Spaß an technischen Herausforderungen und vor allem Eigeninitiative zeichnen die Stipendiaten aus“, erklärt der Verein. Außerdem ermöglicht die Armaturenkompetenz – zu der die Unternehmen Böhmer, Bomafa Armaturen, Herberholz, Klaus Union und Zwick Armaturen gehören – ein mindestens dreimonatiges Praktikum in einem Mitgliedsunternehmen. Der Verein versteht sich im Übrigen als Plattform für den übergreifenden Einsatz von Industriearmaturen.

 

Konservatives Image modernisieren
Und manchmal gehen Unternehmen auch ungewöhnliche Wege. MIT (Moderne Industrietechnik) hat sich bei der Gewinnung von Nachwuchs für einen solchen Weg entschieden. Dabei setzen die Marketingstrategen aus Vlotho-Exter auf eine kreativ-publikumswirksame Aktion: Die Protagonisten der Kampagne des Zulieferers für Systemlösungen, Baugruppen und Sonderarmaturen sind Kleinkinder unter zwei Jahren, die in den jeweiligen Bildmotiven in einen witzigen Kontrast zu Berufsbildern im Maschinenbau gesetzt werden.

Inszeniert werden die Motive bei einem Fotoshooting, vom WDR begleitet. Hinzu kommt ein Mix aus modernen und traditionellen Kommunikationsmedien wie Facebook, Youtube, Radio und Zeitung, „die auf verschiedene Art ineinander greifen, um die Zielgruppe junger Menschen auf unterschiedlichen Kanälen zu erreichen“. Mit dieser Aktion wolle man „junge Menschen ganz allgemein an den Bereich des Maschinenbaus heranführen und das sehr konservative Image unseres Berufsstandes modernisieren“, sagt Benjamin Kowsky, Marketingassistent bei MIT.

Sehr engagiert bei der Nachwuchsförderung ist die KSB AG. Der Hersteller von Armaturen und Pumpen legt Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen. Praktika, Projekte und ein duales Studium gehören zum Zukunftskonzept. Bei der KSB – und einigen anderen Produzenten – versucht man, auch Frauen stärker für technische Berufe zu interessieren.

Mit Recht, denn Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert, erklärt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI): Nur 21 Prozent in Ingenieurs-Studiengängen und zwölf Prozent in technischen Berufen sind weiblich. „Das ist zu wenig. Wir verschenken großes und wichtiges Potenzial, wenn wir es nicht schaffen, mehr Mädchen und junge Frauen frühzeitig für technische Berufe zu begeistern“, sagt VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs.

 

Role Models machen Frauen Mut
Zeit für den VDI, ein Projekt zu starten. Mit dem neuen, von einem deutschen Bundesministerium geförderten Projekt MINITalente will der Verband den Frauenanteil in MINT-Studiengängen steigern und mehr Frauen den Weg für eine technische oder naturwissenschaftliche Karriere ebnen. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Im Mittelpunkt stehen erfolgreiche Frauen: Von der Elektrotechnik-Studentin bis hin zur gestandenen Geschäftsführerin machen deutschlandweit über 370 weibliche Vorbilder – so genannte Role Models – Mut für MINT-Berufe.

Sie erzählen aus ihrem studentischen oder beruflichen Alltag, schildern ihren Werdegang und geben in Vorträgen und Workshops Tipps, wie man im Job Fuß fasst. „Das Projekt bietet all denen Unterstützung, die eine Veranstaltung zur Förderung des weiblichen MINT-Nachwuchses organisieren wollen“, erläutert Projektleiterin Tina Lackmann. Mit einem beachtlichen Ergebnis: Laut VDI wurden innerhalb von zwei Jahren 75.000 Teilnehmer erreicht, darunter 40.000 Frauen.

Die Begeisterung von Frauen für technische Berufe ist mit Blick auf die Entwicklung der nächsten Jahre dringend nötig. Denn „in keinem anderen Land Europas sind so viele ältere Ingenieure am Arbeitsmarkt wie in Deutschland“, weiß VDI-Direktor Fuchs. „Folglich werden in den kommenden Jahren in großem Ausmaß Ingenieure aus dem aktiven Erwerbsleben ausscheiden.“

Wird nicht erfolgreich gegengesteuert, droht ein Innovationsverlust. Eine fatale Entwicklung, denn es werden in den Branchen mit hoher Ingenieursdichte jährlich etwa 73 Milliarden Euro in Innovationen investiert. „Wenn wir die Ingenieurlücke nicht schließen können, wird der weiter fortschreitende Fachkräfteengpass zu einer massiven Bedrohung des Geschäftsmodells Deutschlands führen“, macht Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln (IW), deutlich.

 

Großes Potenzial älterer Mitarbeiter
Investitionen in Bildung, Werben in EU-Krisenländern und Wecken des Interesses von Frauen für technische Berufe sind ohne Frage gute Ansätze. Aber es gibt noch eine weitere, immer wichtiger werdende Strategie: Große Potenziale schlummern bei älteren Arbeitnehmern. Ein Umstand, dem lange wenig Bedeutung geschenkt wurde. In der Vergangenheit wurde nach dem Prinzip verfahren: Alte raus aus den Unternehmen – junge rein ins Unternehmen. Ein fatales Ergebnis ist, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland ausschließlich Arbeitnehmer beschäftigt, die jünger als 50 Jahre sind.

Die Chance, die die Gewinnung älterer Mitarbeiter bietet, hat die KSB AG längst erkannt. Idee und Umsetzung brachten dem Armaturen- und Pumpenhersteller einen Eintrag als Good-Practice-Beispiel rheinland-pfälzischer Unternehmen beim Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau ein.

„Auf die umfangreichen Kenntnisse der älteren Arbeitnehmer mit Blick auf Produkte, Märkte und Kunden, deren Erfahrungen, Durchhaltevermögen und Loyalität kann und will die KSB AG genauso wenig verzichten wie auf den Nachwuchs und dessen jugendlichen Elan und frische Ideen, um weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können“, stellte das Ministerium dem Unternehmen ein gutes Zeugnis aus. Die Frankenthaler wollen gezielt ältere Mitarbeiter binden. Dazu gehörten etwa Gesundheitschecks, spezielle EDV-Trainings, Befreiung von Nachtschichten und zusätzliche Urlaubstage. Patenmodelle regeln rechtzeitige Nachfolgeregelungen.

Zentraler Punkt im Umgang ist die Wertschätzung – das vermittelt die KSB AG in ihrem Tun. Um erfahrene Spezialisten zu halten, stärkt das Unternehmen die Mitarbeiterzufriedenheit, die Kameradschaft und den Teamgedanken. Auch auf eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird geachtet. Alles wichtige Signale nach außen, um weitere Fachkräfte zu gewinnen.

Dringend zu empfehlen ist den Unternehmen, Konzepte für eine Nachwuchsförderung zu entwickeln. Wer das versäumt, wird auf Dauer durch einen Fachkräftemangel bestraft. Und das kann sich kein Unternehmen leisten, das vom Umgang mit hoher Technologie abhängig ist.

Einen Einblick in die vielfältige Welt der Industriearmaturen bietet die Internationale Fachmesse mit Kongress für Industrie-Armaturen, Valve World Expo, die vom 2. bis 4. Dezember 2014 dann bereits zum dritten Mal in Düsseldorf stattfindet.