FA 04 In Asien stimmt die Chemie

Stimmt die Chemie noch? Im Moment, ja – auch wenn die chemische Industrie in Deutschland Mitte des Jahres einen Dämpfer hinnehmen musste. Für die Armaturenhersteller bleibt die Chemiebranche ein äußerst wichtiger Auftraggeber.

Die internationale chemische Industrie zählt zu den Branchen, die empfindlich auf die schwächelnde Konjunktur reagiert. Entsprechend hart traf sie die Rezession 2008/2009. Natürlich litten auch deutsche Chemikalien-Hersteller unter der Talfahrt. Im ersten Halbjahr 2009 stürzte die Produktion um 15,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab – und fand sich auf dem Produktionsniveau von 2003 wieder. Die Kapazitätsauslastung lag bei gerade einmal 72 Prozent. Kurzarbeit und Anlagen-Stillstände waren an der Tagesordnung. Für manchen Armaturenhersteller war das Auftragsbuch weniger gefüllt – einige erhielten immerhin die Order für Instandhaltungsarbeiten. Denn ruhende Anlagen boten dem Betreiber die günstige Gelegenheit für Reparaturen und den Austausch von Armaturen.

Wie Phoenix aus der Asche
Nach überstandener Rezession kletterten die Umsätze der chemischen Industrie wieder rasant nach oben – die Branche erhob sich wie Phoenix aus der Asche. Die Anlagen der Branche liefen wieder auf Hochtouren. Allerdings erreicht die EU-Schuldenkrise mittlerweile die Chemie-Branche. Die Produktion sank im zweiten Quartal 2012 gegenüber dem Vorquartal deutlich. „Unsere Hoffnung auf einen stabilen Aufschwung im Chemiegeschäft müssen wir wohl vorerst verschieben“, erklärt Dr. Klaus Engel, Präsident des Verbandes Chemischer Industrie (VCI). „Viele unserer Industriekunden drosseln ihre Produktion oder ordern weniger Chemikalien.“ Gegenüber dem Vorjahr sank die Chemieproduktion um drei Prozent. Bei einem voraussichtlichen Anstieg der Preise um 2,5 Prozent wird der Branchenumsatz aber bei 184 Milliarden Euro stagnieren.

Dennoch: Deutschland bleibt Exportweltmeister – Chemikalien im Wert von 150 Milliarden Euro gingen ins Ausland: Damit lag die deutsche chemische Industrie an erster Stelle im Ländervergleich, noch vor den USA, Belgien und China. Und das auch zur Freude der Armaturenhersteller.

Blick gen Asien
„Beim Auslandsgeschäft konnte die Dynamik der florierenden Märkte in Südamerika und China den Rückgang der Nachfrage aus Südeuropa kompensieren“, sagt VCI-Präsident Engel. Wer dauerhaft gute Geschäfte machen möchte, darf also nicht nur den innereuropäischen Markt im Blick haben.

Den Blick gen Asien gerichtet hat beispielsweise die Armaturenfabrik AS-Schneider. Das Unternehmen sicherte sich einen Auftrag für das Sadara-Projekt in Saudi-Arabien. The Dow Chemical Company und die Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) bilden ein Joint Venture. Ziel ist der Bau und der Betrieb eines groß angelegten, voll integrierten Chemiekomplexes in der saudi-arabischen Industriestadt Jubail. Das neue Werk soll über drei Millionen Tonnen Chemieprodukte und Hochleistungskunststoffe für die Märkte Energie, Transport, Infrastruktur und Konsumgüter produzieren. 2015 gehen die ersten Produktionseinheiten in Betrieb, 2016 wird die Anlage komplett fertiggestellt sein.

Geliefert wurde von AS-Schneider die „Installation Hardware“ im Wert von rund fünf Millionen Euro. Womit der Auftrag der größte der Firmengeschichte ist. Aber er ist auch deswegen ein Meilenstein: „Das Projekt bietet den richtigen Auftakt, um sich in dieser Region als Hersteller und Lieferant von Ventilen und Ventilblöcken für die Mess- und Regeltechnik zu etablieren“, erklärt Projektverantwortlicher Björn Bofinger.

Projekt öffnet Türen
Bei der „Installation Hardware“ handelt es sich um eine Kombination von Ventilen – Kugelhähne oder Absperrschieber–, Ventilblöcken, Rohrleitungsteilen, Dichtungen, Schrauben und Spülringen. Und das in „allen denkbaren Werkstoffen“, ergänzt Bofinger. AS-Schneider lieferte seine Produkte in vormontiertem Zustand, um im Werk vor Ort lediglich die „Hochzeit“ der Hardware an die Prozessleitung umzusetzen. Ende 2012 erfolgten die ersten Lieferungen.

Der Großauftrag könnte der Auftakt zu weiteren „big deals“ sein. „Das Sadara-Projekt hilft uns dabei, uns einen Namen zu machen“, unterstreicht Anastassija Kinstler vom Marketing Geschäftsbereich Industriearmaturen bei AS-Schneider. „Es öffnet uns viele Türen.“

Produkte mit hoher Qualität sind für Chemie-Vorhaben wie das Sadara-Projekt von großer Wichtigkeit. Eine große Chance für Armaturen einiger westlicher Industrienationen: „Vor Ort bieten viele neue Hersteller von Armaturen und Antriebstechnik Produkte an, deren Qualität und Zuverlässigkeit oft genug ungeklärt ist“, berichtet Tyco Flow Control. „Doch gerade in diesem Industriezweig sind Fehler nicht zu tolerieren – denn bei der Herstellung von Grundchemikalien wie Dünger oder Kunststoffen kommen häufig korrosive, giftige und hochgefährliche Flüssigstoffe zum Einsatz.“ Die Chemieunternehmen bräuchten daher auch in neuen Märkten einen Partner, dem sie vertrauen können. Zum Beispiel aus den westlichen Industrienationen.

Höhere Anlagensicherheit und besserer Umweltschutz
Auf Qualität und einheitliche Zusammensetzung des Fertigprodukts kommt es in Feinchemie und Pharma an. Durch Probenahmesysteme etwa – so Tyco Flow Control – können zielgenaue Kontrollen die Qualität der Produkte sicherstellen.
Neben der Qualität müssen im Chemiebereich vor allem diese Kriterien erfüllt sein: niedrigere Emissionen, eine höhere Anlagensicherheit und ein besserer Umweltschutz. Gewährleistet sein muss die optimale Druckregelung, die Probenahme, Absperrung und Leckageerkennung.

Daher arbeitet die Branche unter strengen Auflagen. Nicht nur Tyco Flow Control achtet daher darauf, dass die Produkte alle einschlägigen internationalen Regelwerke und Normen erfüllen bzw. dafür zugelassen sind. Dazu gehören etwa die TA-Luft und die EPA-Auflagen für den amerikanischen Markt.

Werkstoffe spielen eine zentrale Rolle
Die Herausforderungen für die Hersteller von Komponenten sind groß: Umweltschutz und Anlagensicherheit müssen sichergestellt sein – und das bei einem Prozess mit hohen Temperaturen, hohen Drücken und kritischen Betriebsmedien. Dem Werkstoff kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, etwa bei der Fertigung von Membranventilen für die Chemiebranche. Eine Aufgabenstellung, auf die sich beispielsweise Gemü eingerichtet hat. „Membranventile, die sich besonders für aggressive Medien eignen, können durch unterschiedliche Membranwerkstoffe genau auf die Betriebsmedien abgestimmt werden“, erläutert das Unternehmen. Zusätzlich könnten die Membranventile mit High-Tech Kunststoffen wie zum Beispiel PFA oder PVDF ausgekleidet werden. „Hierdurch wird die Medienresistenz von Kunststoffen mit der Robustheit von Membranventilen vereint.“ Diese Flexibilität bei der Werkstoffauswahl gewährleiste ein Höchstmaß an Prozess- und Anlagensicherheit und biete somit die optimalen kundenspezifischen Lösungen.

Kundenspezifische Lösungen sind wichtige Schlüsselworte für die Chemie. Die Entwicklung von Ventilbaureihen solle „in enger Abstimmung mit führenden Chemieunternehmen“ stattfinden, erklärt Samson. Vielseitigkeit ist daher gefragt. Samson liefere als Main Valve Vendor für die chemische Verfahrenstechnik leichte und schwere Ventilbaureihen mit modularem Aufbau in allen gängigen und speziellen Werkstoffen nach DIN, ANSI und JIS bis hin zu Hochdruckventilen nach IG-Norm. Daher gehörten Schmiedetechnik, selbstnachstellende Stopfbuchsen, Metallbalgabdichtungen, druckentlastete Kegel, Heizmäntel sowie korrosionsfeste, geräusch- und verschleißarme Innengarnituren zur Samson-Palette.

Emissionen verringern
Mensch und Umwelt schützen – Ziele, die auch „Leser“ auf seine Fahnen geschrieben hat. Das Unternehmen entwickelte das Sicherheitsventil Type 441, das auch die Emissionen verringert. Das Ventil werde unter anderem in Anlagen mit giftigen Medien wie Phosgen, Schwefelwasserstoff und Silan eingesetzt. Das Sicherheitsventil besitzt einen Edelstahl-Faltenbalg, Spezial-Dichtringe und zusätzliche Abdichtungen mit O-Ringen. Hinzu kommt eine Drucküberwachungseinheit.

Wer solche Armaturen speziell für die chemische Industrie entwickelt, dem winken auch heute noch lukrative Geschäfte – vor allem in den Schwellenländern. Bereits vor drei Jahren wurden 45 Prozent des weltweiten Chemieumsatzes von asiatischen Staaten erwirtschaftet, gefolgt von Europa mit knapp einem Viertel und Nordamerika mit einem Fünftel. Eine Entwicklung, die sich fortgesetzt hat. Asien – und hier allen voran China – ist eine Chemieweltmacht. Ein Markt, der aus Sicht einiger Unternehmen am besten vor Ort zu „beackern“ ist.

Das enorme Potenzial treibt immer mehr Unternehmen in die Schwellenländer: Dort entstehen nach wie vor zahlreiche neue Werke, die nicht selten auch Niederlassungen europäischer Produzenten sind. Beispiel Lanxess: Das Unternehmen errichtet im chinesischen Changzhou in der Provinz Jiangsu die weltweit größte Anlage für synthetischen EPDM-Kautschuk. Sie soll 2015 in Betrieb gehen soll. Der deutsche Spezialchemie-Konzern investiert 235 Millionen Euro, die bisher größte Investition von Lanxess im Reich der Mitte.

Europäische Konzerne lassen sich in China nieder
Auch im südafrikanischen Newcastle engagiert sich Lanxess: Der Spezialchemie-Konzern baut ein Werk zur Produktion von Natriumdichromat, das eine kontinuierliche Zufuhr von hochkonzentriertem CO2 benötigt. Die Inbetriebnahme war für die zweite Hälfte 2013 geplant.

Saudi-Arabien ist im Fokus der Dow Chemical Company. Die neue Fabrik, die in Jubail Industrial City entsteht, soll ein großes Sortiment an Beschichtungsmaterialien für Saudi-Arabien, aber auch für den weltweiten Export herstellen. Erklärtes Ziel ist es, durch die Investition näher an die regionalen Kunden in dem Schlüsselmarkt heranzurücken, erklärt der Konzern.

Eine neue Dicumyl-Peroxid-Anlage (DCP) plant AkzoNobel im chinesischen Ningbo, um die steigende regionale und weltweite Nachfrage zu decken. Sie soll die Produktionskapazität von DCP, das häufig als Vernetzungsmittel für verschiedene Polymere und Copolymere benutzt wird, um mehr als 30 Prozent auf 25.000 Tonnen erhöhen. Voraussichtlich 2014 wird die Anlage fertiggestellt sein.

Stammhäuser werden gesichert
Auch der Chemie-Gigant BASF stärkt seine Marktpräsenz in China. Gemeinsam mit der China Petroleum & Chemical Corporation (Sinopec) prüft der Konzern den Bau einer Produktionsanlage für Isononanol in der Stadt Maoming.

Neue Werke und Fabriken entstehen in den weltweit wichtigen Märkten wie China. Doch der Trend geht noch weiter. Mittlerweile lagern einige Unternehmen ganze Geschäftsbereiche aus. Bayer etwa zog mit der Kunststoff-Sparte der Polycarbonat-Herstellung nach Shanghai. Auch die Zentrale für die Allgemeinmedizin wanderte ab nach Peking. BASF wiederum verlagerte sein Pigment- und Dispersionsgeschäft nach Hongkong.

Alles Indizien dafür, dass die Auslagerung von Unternehmensteilen verstärkt betrieben wird. Es wird die Nähe zum wachstumsstärksten Markt in China gesucht.

Zumindest vom Trend zu Niederlassungen in den Schwellenländern profitieren auch die Stammhäuser in Europa. Mit Hilfe der guten Geschäfte mit fernöstlichen Staaten wie China werden auch sie gesichert. Denn das Know-how, die Basis des Unternehmens, stammt zumeist noch aus den Forschungs- und Entwicklungslaboren des Mutterlandes.

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