Die deutsche Wasserstoffwirtschaft muss sich keine Sorgen um Wasserknappheit machen. Eine neue DIW-Studie zeigt: Selbst bei ambitionierten Ausbauplänen bleibt der Wasserverbrauch marginal. Der Schlüssel zum Erfolg liegt woanders – beim Stromnetz für grünen Wasserstoff.
35 Liter Wasser für ein Kilogramm Wasserstoff
Deutschland plant den Sprung von heute 170 Megawatt auf zehn Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030. Das bedeutet: Der Wasserstoffbedarf steigt von 46 auf 95 bis 130 Terawattstunden.
Die DIW-Analyse vom 13. August beziffert den dafür nötigen Wasserbedarf auf 26 Millionen Kubikmeter jährlich. "Chemisch brauchen wir neun Liter deionisiertes Wasser plus Kühlwasser pro Kilogramm Wasserstoff", so DIW-Forscherin Dana Kirchem. Umgerechnet entspricht das 35 Litern Frischwasser je Kilogramm H2.
Kernnetz bestimmt Standortwahl
Ohne Transportbeschränkungen würde sich die Elektrolyse fast ausschließlich in Schleswig-Holstein konzentrieren – dort weht der günstigste Offshore-Wind. Das zeigen acht verschiedene Szenarien der DIW-Modellierung.
Fehlt jedoch das 9.040 Kilometer lange Wasserstoffkernnetz, wandert die Produktion zu den Industriezentren. "Bei beschränkter Transportfähigkeit wird die Nähe zu Wasserstoff-Verbrauchern relevanter", erläutert Kirchem.
Minimale Wasserkosten, maximaler Netznutzen
Wasserpreise beeinflussen Standortentscheidungen praktisch nicht. Mit 0,5 Prozent der Elektrolyse-Gesamtkosten bleiben sie vernachlässigbar. Selbst bei deutschlandweiter Angleichung an Berlins Spitzensatz von 31 Cent pro Kubikmeter ändert sich die Rechnung kaum.
Das DIW räumt allerdings ein: Die tatsächlichen Wasserpreise für Elektrolyseure sind intransparent.
Regionale Lösungen bei Wasserstress
Deutschland gilt als wasserreiches Land, doch regional kann Wasserstress auftreten. Das DIW empfiehlt dann den Wechsel zu entsalztem Meerwasser – für Küstenstandorte unbegrenzt verfügbar.
Die Forscher fordern außerdem: Wasserstressrisiken gehören systematisch in Genehmigungsverfahren und Förderkriterien integriert.