Eine deutsch-britische Allianz will die H2-Produktion revolutionieren. Siemens und Paragon Resources setzen auf ein chemisches Verfahren, das aus Aluminium-Abfall klimafreundlichen Wasserstoff gewinnt - ganz ohne externe Energiezufuhr.
Die Partnerschaft zwischen dem deutschen Technologiekonzern und dem britischen Chemieunternehmen startet mit einer Absichtserklärung. Ziel ist die kommerzielle Umsetzung einer bahnbrechenden Wasserstofftechnologie, wie Siemens am Mittwoch (30. Juli) mitteilte.
Innovation aus Oxford verdrängt klassische Methoden
Paragon Resources aus Aylesbury bei Oxford durchbricht etablierte Produktionswege. Das Unternehmen verzichtet auf Elektrolyse und Dampfreformierung zugunsten einer direkten chemischen Umwandlung. Behandeltes Aluminium reagiert dabei mit Wasser unter Katalysator-Einwirkung zu drei nutzbaren Outputs: Wasserstoff, Aluminiumhydroxid und verwertbare Wärmeenergie.
Mehrere Patentanmeldungen schützen das Verfahren, einschließlich innovativer Reaktorkonstruktionen und KI-gestützter Steuerungsalgorithmen. Der entscheidende Vorteil: Weder fossile Brennstoffe noch Fremdstrom sind erforderlich.
Doppelter Umweltnutzen durch Abfallverwertung
Das Verfahren macht aus zwei Problemen eine Lösung. Aluminium-Abfälle, die sonst Deponien belasten würden, werden zu wertvollem Rohstoff für die Wasserstoffgewinnung. Gleichzeitig entsteht Aluminiumhydroxid als emissionsfreies Nebenprodukt mit breitem Anwendungsspektrum.
Von Kosmetika über Pharmazeutika bis hin zu Wasseraufbereitung, Feuerschutz und Glas-/Keramikherstellung - die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Die Unternehmen sehen großes Potenzial für die Dekarbonisierung energieintensiver Industriezweige bei gleichzeitiger Förderung der Kreislaufwirtschaft.
Digitale Plattform optimiert Produktionsprozesse
Als strategischer Technologiepartner bringt Siemens seine Digitalisierungskompetenz ein. Die Transformation von der Pilotanlage zum industriellen Maßstab soll über die Siemens Xcelerator-Plattform erfolgen. Automatisierungstechnik, digitale Zwillinge und KI-basierte Steuerung optimieren Reaktorleistung und thermische Effizienz.
"Die Skalierung der Wasserstoffproduktion erfordert partnerschaftliche Ansätze", unterstreicht Andy Lane, Senior Commercial Manager bei Siemens. Das Unternehmen unterstütze Pioniere wie Paragon Resources beim Übergang von der Entwicklung zur Kommerzialisierung innovativer Technologien.
Diese Zusammenarbeit ergänzt Siemens' ganzheitliche Wasserstoffstrategie. "Wir stellen die Grundlagen des Wasserstoff-Ökosystems bereit", so H2-Experte Philipp Glaser Ende Mai zu H2-News.de. Das Konzept der volldigitalisierten Wasserstoffanlage mit modularen Engineering-Komponenten und intelligenter Optimierung bildet dabei das Fundament.