Mit einer neuen Technologie-Partnerschaft beschleunigen Uniper und Thyssenkrupp Uhde den Wasserstoff-Hochlauf in Deutschland. Sechs großtechnische Anlagen sollen importiertes Ammoniak in klimafreundlichen Wasserstoff umwandeln. Das Gesamtvolumen: 7.200 Tonnen täglich.
Uniper hat sich mit Thyssenkrupp Uhde auf die Nutzung von Ammoniak-Cracking-Technologie verständigt. Die Kooperation umfasst Lizenzen für maximal sechs kommerzielle Produktionsanlagen sowie umfassende Service-, Engineering- und Ausrüstungsleistungen inklusive Katalysatoren. Ziel ist der Aufbau einer skalierbaren Infrastruktur für Wasserstoffimporte nach Europa.
Grüner Wasserstoff braucht Importrouten
Als Standort für die erste kommerzielle Anlage ist das künftige Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven vorgesehen. Uniper arbeitet aktuell an der Vorabstudie (Pre-FEED), die Projektdefinition, Machbarkeitsprüfung und Risikobewertung umfasst. Die nachfolgende FEED-Phase soll gegen Ende 2026 beginnen.
„Unsere heimische Produktion allein reicht nicht aus, um den zukünftigen Wasserstoffbedarf zu stillen – wir sind auf Importe in Form von Derivaten angewiesen", betont Holger Kreetz, Chief Operating Officer bei Uniper. Nadja Håkansson, COO von Thyssenkrupp Decarbon Technologies und CEO von Thyssenkrupp Uhde, hebt die Bedeutung industrieübergreifender Partnerschaften für den globalen Wasserstoffmarkt hervor.
Demonstrationsanlage als Technologie-Nachweis
Der direkte Wasserstofftransport stellt Logistiker vor erhebliche technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Ammoniak dagegen lässt sich mit geringem Aufwand verflüssigen und in großen Volumina verschiffen – ein ideales Transportmedium. Die Cracker-Technologie wandelt das angelieferte Ammoniak vor Ort wieder in reinen Wasserstoff um. Ohne diese Spaltanlagen wäre ein Import im industriellen Maßstab nicht darstellbar. Das Projekt trägt maßgeblich zur Dekarbonisierung der europäischen Industrie bei und stärkt die Versorgungssicherheit.
Bereits im Frühjahr 2025 hatten Uniper und Thyssenkrupp Uhde eine Demonstrationsanlage für das Uniper-Kraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven angekündigt. Mit einer Tageskapazität von 28 Tonnen soll die Pilotanlage die Technologie im realen Betrieb erproben und den Weg für die kommerzielle Großskalierung bereiten. Das Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen fördert das Demonstrationsprojekt.