Im Juli dieses Jahres hat sich der VDMA Fachverband Schweißund Druckgastechnik der Fachabteilung Industriearmaturen im Fachverband Armaturen angeschlossen. Was waren die Beweggründe und letztlich der ausschlaggebende Impuls für diese Entscheidung?
Gerd Weissenfels: Die Schweiß- und Druckgastechnik steht aktuell unter enormem Veränderungsdruck – sei es durch technologische Entwicklungen, neue regulatorische Anforderungen, Werkstoffthemen in Zusammenhang mit Materialien und Substanzen wie PFAS und Blei oder sich wandelnde Märkte weltweit. Wir haben erkannt, dass wir unter diesen Bedingungen mehr Schlagkraft brauchen. Der Zusammenschluss mit der Fachabteilung Industriearmaturen ist ein strategischer Schritt, um unsere Sichtbarkeit zu erhöhen, Synergien zu nutzen und die Interessen unserer Mitglieder noch wirkungsvoller zu vertreten. Und das
macht durchaus Sinn: Denn die Hersteller von Industriearmaturen im Bereich der Gastechnik, die bislang im Fachverband Schweiß- und Druckgastechnik beherbergt waren, teilen viele gemeinsame Themen mit der Fachabteilung Industriearmaturen.
Welche konkreten Vorteile erwarten Sie für die Mitgliedsunternehmen durch die neue Struktur – insbesondere im Hinblick auf Sichtbarkeit, Interessenvertretung und Netzwerke?
Gerd Weissenfels: Unsere Mitglieder profitieren künftig von einem deutlich erweiterten Netzwerk, einer stärkeren politischen Stimme und einem breiteren Serviceangebot. Die Integration ermöglicht es uns, regulatorische, technologische und strategische Themen gemeinsam mit einer größeren Community anzugehen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet das: mehr Austausch, gezieltere Unterstützung und bessere Positionierung gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Hinzu kommt: Die Stimme des Fachverbands Armaturen hat in der Öffentlichkeit bereits heute ein hohes Gewicht. Der VDMA Fachverband Armaturen ist traditionell stark mit seinen wichtigsten Stakeholdern vernetzt – sei es mit der Politik, mit anderen Industrieverbänden, Messen oder den Medien. Diese gewachsene Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit kommen nun auch den Mitgliedern der Schweiß- und Druckgastechnik unmittelbar zugute.
Wie begegnet die Schweiß- und Druckgastechnik im Verbund mit der Fachabteilung Industriearmaturen den zunehmenden regulatorischen Anforderungen, etwa durch EU-Vorgaben oder den Digitalen Produktpass?
Gerd Weissenfels: Die regulatorischen Anforderungen – etwa im Bereich Nachhaltigkeit, Werkstoffe oder Digitalisierung – nehmen rasant zu. Durch die Bündelung unserer Kompetenzen können wir diese Themen nun noch gezielter angehen. Wir bringen unsere Expertise in die relevanten Gremien ein, unterstützen mit praxisnaher Beratung und sorgen dafür, dass die Anliegen unserer Mitglieder in Brüssel und Berlin Gehör finden. Der Digitale Produktpass ist dabei nur ein Beispiel für viele Herausforderungen, bei denen wir Orientierung schaffen und konkrete Hilfestellung leisten. Besonders wertvoll ist dabei die hohe Expertise, die im Fachverband Armaturen bereits vorhanden ist – etwa aus früheren Projekten und langjähriger Gremienarbeit. Auf dieses Wissen können wir gezielt zurückgreifen, um schneller zu tragfähigen Lösungen zu kommen und unsere Mitglieder noch wirkungsvoller zu begleiten.
Wie stellen Sie sicher, dass die spezifischen Themen und Bedürfnisse der Schweiß- und Druckgastechnik auch in der neuen Struktur weiterhin Gehör finden?
Gerd Weissenfels: Das war uns von Anfang an ein zentrales Anliegen. Die fachliche Tiefe bleibt erhalten –so bleiben nicht nur unser bisheriges zentrales technisches Gremium, die Fachabteilung Geräte, sowie unser Arbeitskreis Reinstgase im Rahmen der Fachabteilung Industriearmaturen weiter bestehen. Darüber hinaus werden die Arbeitskreise und Gremien der Fachabteilung Industriearmaturen auch für die ehemaligen Mitglieder des Fachverbandes Schweiß- und Druckgastechnik geöffnet. Diese Integration wurde bereits im vergangenen Jahr testweise erprobt und hat ein sehr positives Echo hervorgerufen – und das für beide Communities und sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Unsere Themen finden dort nicht nur Gehör, sondern bereichern die Diskussionen durch neue Perspektiven. Gleichzeitig entstehen durch die fachlichen Schnittmengen wertvolle Synergien, die wir gezielt nutzen, um die Innovationskraft der gesamten Community zu stärken.