Sie sind auch ein Stück weit davon abhängig, dass Ihre Kunden diesen Weg mitgehen. Was, wenn die Kunden nur auf Preise und nicht auf Nachhaltigkeit achten?
Andrea Häußermann: Das stimmt, aber es gibt viele Unternehmen, die den Wandel aktiv mitgestalten möchten. Wir alle leben schließlich auf derselben Welt. Wir sind mit unterschiedlichsten Partnern – von großen Konzernen bis zu kleinen Unternehmen – im Austausch. Es geht darum, Erfolgsgeschichten zu schreiben, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Wir haben bereits erste Pilotprojekte gestartet und merken, dass das Interesse wächst – auch von Unternehmen, die Bürkert bisher noch nicht kannten.
Wird das Thema regeneratives Wirtschaften künftig das zentrale Leitthema von Bürkert auf Messen sein?
Andrea Häußermann: Es wird sicher weitere Themen geben, aber das regenerative Wirtschaften ist fest in unserer Vision verankert. Es bleibt also ein Kernbestandteil unserer Ausrichtung.
Wie reagieren Sie auf Stimmen, die regenerative Konzepte als „Greenwashing“ abtun?
Andrea Häußermann: In manchen Fällen mag diese Kritik berechtigt sein. Aber genau das ist unsere Aufgabe – glaubwürdig zu bleiben und es nicht zu tun. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum wir erst jetzt darüber sprechen. Wir möchten mit Demut und Klarheit kommunizieren: Was können wir schon, was noch nicht? Wo sind wir einen Schritt weiter, wo haben wir noch Potenzial? Authentizität ist ein zentraler Bestandteil der Bürkert-Identität.
Gibt es ein Projekt rund um das regenerative Wirtschaften, das Sie persönlich inspiriert hat?
Andrea Häußermann: Ja, das Thema Aquaponik hat mich sehr beeindruckt – die Kombination aus Fischzucht und Gemüseanbau, bei der das Wasser im Kreislauf geführt wird. Solche Systeme zeigen, wie Ressourcenkreisläufe funktionieren können. Es gibt sie in kleiner Form, etwa in Afrika im Hinterhof, aber auch groß skaliert, beispielsweise in der Wüste von Dubai. Solche Konzepte, die in sich geschlossen einen Mehrwert bieten, sind faszinierend und inspirierend. Wenn wir verstehen, wie man lebende Systeme gestaltet, entstehen spannende, zukunftsfähige Lösungen.
Wie sehen Sie die Entwicklungen neuer Geschäftsmodelle, wie Serviceangebote oder nutzungsbasierte Bezahlmodelle?
Andrea Häußermann: Das sind sehr spannende Ansätze. Wir werden Schritt für Schritt vorgehen – anders geht es gar nicht. Aber genau solche Modelle zeigen, welches Potenzial regenerative Konzepte haben.
Viele äußere Faktoren – von Geopolitik bis zu Regulierungen – beeinflussen die Umsetzung. Wie gehen Sie mit dieser Unsicherheit um?
Andrea Häußermann: Es ist tatsächlich eine große Herausforderung, weil sich Rahmenbedingungen schnell ändern. Politische Entscheidungen sind oft kurzfristig gedacht – von einer Wahlperiode zur nächsten. Für echte Transformation braucht es aber Kontinuität. Wir können nur langfristig erfolgreich sein, wenn der Fokus auf nachhaltigen, verlässlichen Strategien liegt.