Digitalisierung erreicht die Feldebene
Die fortschreitende Digitalisierung der Wasserwirtschaft verändert die Anforderungen an Armaturen und Antriebe grundlegend. Betreiber erwarten heute nicht mehr ausschließlich eine zuverlässige Stellfunktion, sondern zusätzliche Informationen über Betriebszustände, Verschleißverhalten und Wartungsbedarf.
Moderne elektrische Stellantriebe übernehmen dabei zunehmend die Funktion intelligenter Feldgeräte. Sie erfassen Stellwege, Drehmomente, Schaltzyklen, Temperaturen und weitere Prozessparameter. Über Kommunikationsschnittstellen wie Profibus, Profinet, Modbus TCP oder Ethernet/IP lassen sich diese Daten direkt in Prozessleitsysteme und Asset-Management-Plattformen integrieren.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die vorausschauende Instandhaltung. Statt fester Wartungsintervalle ermöglichen digitale Diagnosedaten eine zustandsabhängige Wartung. Dies reduziert ungeplante Stillstände und erhöht die Verfügbarkeit kritischer Anlagenkomponenten.
Zu den etablierten Anbietern intelligenter Antriebslösungen zählt AUMA. Die aktuellen Antriebsgenerationen bieten umfangreiche Diagnosefunktionen sowie Möglichkeiten zur Fernparametrierung und Anlagenintegration. Besonders bei weit verzweigten Wasserversorgungsnetzen und großen Kläranlagen erleichtern solche Systeme die Überwachung dezentral installierter Armaturen erheblich.
Auch Schiebel Actuators verfolgt konsequent den Ansatz intelligenter Antriebssysteme. Die modular aufgebauten elektrischen Stellantriebe ermöglichen neben klassischen Auf-/Zu-Anwendungen zunehmend den Einsatz in anspruchsvollen Regelprozessen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung cyber-sicherer Kommunikationslösungen, da Wasserinfrastrukturen als Kritische Infrastruktur (KRITIS) besonderen Anforderungen unterliegen.
Energieeffizienz bleibt dominierendes Investitionskriterium
Neben der Digitalisierung stellt die Energieeffizienz weiterhin den wichtigsten wirtschaftlichen Treiber in der Wasserwirtschaft dar. Pumpensysteme verursachen in vielen Anlagen den größten Anteil des Stromverbrauchs. Entsprechend hoch ist das Optimierungspotenzial durch eine präzise hydraulische Regelung.
Armaturen übernehmen dabei eine zentrale Rolle. Moderne Regelarmaturen ermöglichen die exakte Steuerung von Druck, Durchfluss und Niveau. Durch die Kombination mit intelligenten Antrieben können Lastschwankungen dynamisch ausgeglichen und Energieverluste minimiert werden.
Besonders deutlich wird dies bei Fernwasserversorgungen und großen Transportleitungen. Hier führen bereits geringe Verbesserungen der hydraulischen Betriebsführung zu erheblichen Energieeinsparungen über die gesamte Anlagenlebensdauer.
KSB verfolgt diesen Ansatz mit einem ganzheitlichen Portfolio aus Pumpen, Armaturen und digitalen Überwachungslösungen. Im Mittelpunkt stehen dabei energieeffiziente Gesamtsysteme, bei denen hydraulische Optimierung und intelligente Steuerung miteinander kombiniert werden. Die zunehmende Vernetzung von Pumpen- und Armaturentechnik eröffnet zusätzliche Möglichkeiten zur Prozessoptimierung.
Gleichzeitig gewinnen Lebenszyklusanalysen an Bedeutung. Betreiber betrachten Investitionsentscheidungen zunehmend über Zeiträume von 20 bis 40 Jahren. Energieverbrauch, Wartungskosten und Anlagenverfügbarkeit haben damit häufig einen größeren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit als die ursprünglichen Anschaffungskosten.
Anforderungen an Regel- und Druckmanagement steigen
Parallel zur Energieeffizienz rückt die präzise Beherrschung hydraulischer Prozesse stärker in den Vordergrund. Insbesondere bei Trinkwassernetzen führen Druckstöße, Lastwechsel und schwankende Verbrauchsmengen zu steigenden Anforderungen an die Regeltechnik.
Druckminderer, Überströmventile, Niveauregler und Druckhalteventile übernehmen hierbei wichtige Aufgaben. Moderne Regelarmaturen müssen nicht nur hohe Regelgüten erreichen, sondern gleichzeitig wartungsarm und langfristig stabil arbeiten.
Mankenberg zählt in diesem Bereich zu den spezialisierten Herstellern. Die Edelstahlarmaturen des Unternehmens werden unter anderem für Druckregelung, Niveaukontrolle und Prozesssicherung eingesetzt. Gerade in Wasserwerken und industriellen Wasseraufbereitungsanlagen bieten korrosionsbeständige Werkstoffe und präzise Regelcharakteristiken Vorteile hinsichtlich Betriebssicherheit und Lebensdauer.
Ein weiterer Trend besteht in der stärkeren Integration von Sensorik direkt in die Armatur. Druck-, Temperatur- und Durchflussinformationen können dadurch unmittelbar erfasst und für übergeordnete Optimierungsstrategien genutzt werden.
Hohe Anforderungen an Absperrarmaturen im Abwasserbereich
Während in der Trinkwassertechnik vor allem Hygiene und Regelgenauigkeit im Fokus stehen, dominieren in der Abwassertechnik robuste Konstruktionen und Verschleißbeständigkeit. Schwebstoffe, abrasive Partikel und chemisch belastete Medien stellen hohe Anforderungen an Werkstoffe, Dichtungen und Antriebstechnik.
Absperrschieber, Plattenschieber, Absperrklappen und Kugelhähne müssen auch nach langen Stillstandszeiten sicher funktionieren und hohe Dichtheitsanforderungen erfüllen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Automatisierung, da viele Anlagen heute weitgehend unbemannt betrieben werden.
In diesem Umfeld gewinnen hochwertige Absperr- und Regelarmaturen an Bedeutung. Zwick verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich metallisch dichtender und weichdichtender Industriearmaturen für anspruchsvolle Prozessbedingungen. Die zunehmende Nachfrage nach langlebigen Armaturen mit minimierten Leckageraten entspricht den aktuellen Anforderungen vieler Betreiber im Wasser- und Abwassersektor.
Darüber hinaus rücken emissionsfreie Dichtungskonzepte und verschleißoptimierte Werkstoffe stärker in den Fokus. Ziel ist es, Wartungszyklen zu verlängern und gleichzeitig die Betriebssicherheit zu erhöhen.
Ausblick
Die Entwicklung von Industriearmaturen und Antrieben für die Wasser- und Abwasserwirtschaft wird in den kommenden Jahren maßgeblich durch drei Faktoren geprägt: Digitalisierung, Energieeffizienz, Anlagenverfügbarkeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Lebenszykluskosten. Wie andere Unternehmen darauf reagieren, erfahren Sie auf der Valve World Expo 2026.