Grüner Wasserstoff und DAC – ein starkes Duo
Neben den vielfältigen Aktivitäten rund um Produktion, Transport und Nutzung von Wasserstoff rückt in Kanada zunehmend auch die Frage in den Fokus, wie sich Restemissionen ausgleichen lassen. Während bei der Produktion von blauem Wasserstoff bereits CCS eingesetzt wird, geht ein anderer Ansatz noch einen Schritt weiter. Direct Air Capture (DAC) zieht CO₂ aus der Umgebungsluft. Die DAC-Technologie lässt sich gut mit der Wasserstoffproduktion verknüpfen und zeigt, wie Klimatechnologien synergetisch kombiniert werden können. Der gewonnene Wasserstoff und das abgeschiedene CO₂ lassen sich gemeinsam als Rohstoffe für erneuerbare Produkte nutzen – etwa für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen.
DAC gewinnt in Kanada deutlich an Bedeutung. Die Bundesregierung arbeitet an einem eigenen Protokoll für Direct Air Carbon Dioxide Capture and Storage (DACCS) und hat 135 Millionen CAD für die Beschaffung dauerhafter Carbon-Removal-Leistungen vorgesehen. Die Kombination aus politischem Rahmen und geologischer Eignung für die Speicherung macht das Land zu einem zentralen Testfeld für die Frage, ob DAC künftig im industriellen Maßstab zu einem tragenden Pfeiler der Klimapolitik werden kann. Dass dieses Potenzial kein Zukunftsszenario bleiben muss, will das kanadische Unternehmen Deep Sky Climate beweisen – mit dem Ziel, DAC erstmals im industriellen Maßstab zu realisieren.
DAC und Wasserstoffproduktion in einer Anlage
Im Januar 2024 gab Deep Sky den Abschluss eines Vertrags mit dem deutschen Start-up Greenlyte Carbon Technologies (GCT) bekannt. Ziel der Kooperation ist die Installation einer Anlage mit der GCT-Technologie im sogenannten „Alpha Lab“ – einem Testfeld für verschiedene CO₂-Abscheidungssysteme – in der Provinz Québec.
Das Verfahren von Greenlyte Carbon Technologies arbeitet in drei Hauptschritten:
- Absorption: CO₂ aus der Umgebungsluft wird in einer flüssigen Sorptionsmittellösung aufgenommen.
- Ausfällung: Das absorbierte CO₂ wird als Hydrogencarbonat ausgefällt und konzentriert.
- Desorption via Elektrolyse: In einem elektrochemischen Prozess wird das Hydrogencarbonat zersetzt; dabei entstehen gleichzeitig konzentrierte CO₂-Ströme und Wasserstoff
Die geplante Anlage soll nach Angaben der Unternehmen bis zu 100 Tonnen CO₂ pro Jahr aus der Atmosphäre abscheiden. Deep Skys langfristige Vision geht weit darüber hinaus: Das Alpha Lab soll gemeinsam mit weiteren Systemen perspektivisch auf eine Kapazität von bis zu einer Gigatonne CO₂ pro Jahr skaliert werden – ein Volumen, das den Dimensionen der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen entspräche.
Für den Betrieb der Anlage will Deep Sky die enormen Wasserkraftkapazitäten sowie das Windpotenzial der Region Québec nutzen. Der Standort wurde zudem nach geologischen Kriterien ausgewählt: Er verfügt über geeignete Untergrundformationen für die langfristige CO₂-Speicherung.
Fazit
Kanada verfügt über die natürlichen Ressourcen, die industrielle Basis und den politischen Willen, um zu einem der global bedeutendsten Produktions- und Exportstandorte für Wasserstoff zu werden. Die Strategie ist gesetzt, die ersten Großprojekte sind im Bau, und die ersten internationalen Lieferketten entstehen.
Doch der Weg bleibt anspruchsvoll. Entscheidend wird sein, ob Kanada den Übergang vom Pilotprojekt zur industriellen Skalierung rechtzeitig schafft. Das Beispiel Deep Sky Climate und Greenlyte zeigt dabei, wohin die Reise gehen könnte: weg von isolierten Einzeltechnologien, hin zu integrierten Ansätzen – die sowohl technologie- als auch länderübergreifend gedacht werden. Gelingt das, hat Kanada das Potenzial, nicht nur Exporteur von Wasserstoff zu werden – sondern auch von Klimatechnologie.