Unterschiedliche Anforderungen – je nach Anwendung
Weil es verschiedenste Anwendungsbereiche innerhalb der LNG-Kette gibt, sind die Anforderungen an Armaturen vielfältig. So können unterschiedliche Armaturen- und Gehäuse-Konstellationen zum Einsatz kommen. Dazu gehören etwa der typische Anflansch, aber auch das Doppelflansch-Gehäuse und die eingeschweißte Real Top Entry-Ausführung. „Alle Bauformen benötigen wegen der extrem tiefen Temperaturen von bis zu -196°C ein sogenanntes ‚bonnet extension‘, ein Isolierteil, um die Armaturenpackung aus dem tiefkalten Bereich herauszuführen und eine Isolierung zu ermöglichen“, erläutert müller quadax. Die QUADAX® Top Entry des Unternehmens sei speziell für LNG-Anwendungen entwickelt worden und stelle sicher, dass Kontroll- und Wartungsarbeiten „sicher und einfach ausgeführt werden können, ohne dass weitere Risiken für das Servicepersonal entstehen“.
Im Allgemeinen werden Druckstufen von PN 10 bis PN 40 verwendet, wobei der Weltmarkt auch in diesem Marktsegment wieder durch ANSI dominiert werde. Hierbei liege der Schwerpunkt bei #150 und #300, aber auch Druckstufen von mehr als # 600 seien möglich. In typischen Anlagen bewegen sich die Nennweiten von DN 100 bis hin zu maximal DN 1200. Müller quadax: „Aber auch hier geht der Trend in Richtung einer höheren Auslastung und Effizienz, was sich in der Nennweite, aber auch Druckstufe widerspiegelt.“
Weltweite Aufträge im boomenden LNG-Sektor
Durch den boomenden LNG-Sektor winken der Armaturenbranche zahlreiche Aufträge. So hat Ampo Poyam Valves mehr als 1.400 Ventile für das LNG-Erweiterungsprojekt Qatar North Field East (NFE) geliefert. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 28,75 Milliarden US-Dollar wird das NFE-Projekt die LNG-Produktionskapazität Katars um 33 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen. Auch für den LNG-Importterminal, der im deutschen Stade entsteht, hat Ampo einen Auftrag erhalten: Das Unternehmen wird über 1.300 Kryogenventile für den Hanseatic Energy Hub liefern – ab Ende 2025 und im Laufe des Jahres 2026.
Den LNG-Markt im Fokus hat auch OHL Gutermuth. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche industriespezifische Großprojekte mit Armaturen beliefert. Bei OHL Gutermuth wird jeder Produktionsschritt vom eingespielten Fachpersonal geprüft und getestet und nach nationalen und internationalen Regelkonformitäten abgenommen. Ein Qualitätsanspruch, der sich auch im weltweit schnell wachsenden Segment der LNG-Technologien bereits auszahlt. Aufgrund eines breiten Portfolios an Armaturen für Extremtemperaturen unterstützt OHL Gutermuth die Vorhaben internationaler Projekte mit seinen Absperr-, Regelklappen und Ventilen.
H2-ready für einen Wasserstoff-Hochlauf
Die Konsequenz des boomenden LNG-Marktes sind nicht nur Investitionen in leistungsfähige und resistente Komponenten, sondern auch in den weltweiten Ausbau von Niederlassungen: Emerson hat in Katar ein neues Global LNG Solutions Center eröffnet, „um Innovation, Nachhaltigkeit und Personalentwicklung in der wachsenden LNG-Industrie voranzutreiben“, erklärt das Unternehmen. Das hochmoderne Zentrum unterstreiche Emersons Engagement für die Qatar National Vision 2030 und den Weg des Landes zu einer saubereren Wirtschaft.
LNG ist auch aus ökologischen Gründen im Blickpunkt. Flüssigerdgas kann fossil, synthetisch oder als Bio-LNG bereitgestellt werden. Bereits fossiles LNG kann laut dem deutschen Verband „Maritime Plattform“ die Treibhausgasemissionen etwa in der Schifffahrt „signifikant reduzieren, bis zu 23 Prozent abhängig von der eingesetzten Antriebstechnologie und dem Motor“. Zudem würden Stickoxide bis zu 80 Prozent und Schwefeldioxide (SOx) wie auch Feinstaub-Emissionen fast vollständig eliminiert. „Eine Entscheidung für LNG ist zukunftsfähig, das heißt durch die Beimischungen von Bio-LNG oder synthetischem LNG (Drop-in) kann Treibhausgasintensität zunehmend reduziert werden.“
Außerdem sind Investitionen in LNG-Terminals Investitionen in die Energiewende: Sie werden nur genehmigt, wenn sie „H2-ready“ gebaut werden. Damit leisten sie über die kurzfristige Gasversorgung hinaus als Importhub für Wasserstoff zukünftig ihren Beitrag zur Energiewende.
Trends und Highlights aus dem Industriebereich Armaturen sind auf der VALVE WORLD EXPO vom 1. bis 3. Dezember 2026 in Düsseldorf zu erleben. Aktuelle Branchen- und Produktinformationen befinden sich im Internetportal unter www.valveworldexpo.de.